Diskurs

Texte, Reden und Statements zur Zukunft der Künste

 

27. März 2015

Kunstorte im Kampf um die Zukunft: Konsequenzen für Berlins (kultur- und raum-)politische Agenda

Tim Renner, der neue Kulturstaatssekretär, hat die Freie Szene als neuen Ansprechpartner für die Re-Formulierung kulturpolitischer Projekte identifiziert. Im Zusammenhang mit deren gewachsener Sichtbarkeit und ihrem Hauptakteur, der Koalition der Freien Szene, ist festzuhalten, dass die teils große Schlagkraft spartenübergreifender Zusammenschlüsse wie der KFS auch neue Herausforderungen hervorruft: Der Bedarf und die Anforderungen an Räume bleiben zu einem gewissen Grad spartenspezifisch und unterschiedlich gelagert. Es kann also keine raumpolitische Universal-Lösung geben, die die spartenspezifische Unterschiede vereinheitlicht oder nivelliert, sondern es bedarf einer Auseinandersetzung, die die jeweiligen AkteurInnen aller Sparten in die stadtentwicklungspolitischen Prozess einbezieht.
Zudem ist zu bedenken, dass eine Fokussierung auf raumpolitische Fragen keine Kulturpolitik im engeren Sinne ersetzt, sondern diese vielmehr (nur) ergänzen kann. Daher ist es wichtig, auch die strukturelle Umgestaltung der kulturpolitischen Förderlandschaft nicht aus dem Blick zu verlieren. Mehr Transparenz über Vergabekriterien und Juryberufungen, die Entbürokratisierung von Abrechnungsmechanismen der Projektförderung, die Stärkung der Kooperation zwischen Institutionen und AkteurInnen der Freien Szene sowie eine spartenspezifische Stimulierung selbstverwalteter Strukturen sind nur einige Maßnahmen, die neben der Sicherung von künstlerischen Räumen eine zukunftsfähige und nachhaltige Kulturpolitik ermöglichen können.

Von Friederike Landau & Henning Mohr

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17. November 2014

An Alarm Bell

Have the arts gone too far in political, economic, diplomatic, flirtatious logic? Aren’t we trying too hard to serve political interests by attempting to solve problems that politicians have failed to solve, such as social deprivation, migration and racism? Problems that the arts will not, should not, and cannot solve. Not even the modish „participatory art“, or the „everybody is an artist!“. Not everybody is interesting, and everybody is certainly not an artist. Aren’t we justifying ourselves too much with figures and economic arguments instead of with artistic substance? Haven’t we reduced ourselves too much to entertainers, who obediently obey the rules of managers, marketers and accountants instead of remaining the sources of disruption and inspiration that we should be?

Von Frie Leysen

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6.3.2014

Bernd Stegemann: Wäre das schlimm?

Nutzen wir die immer noch einzigartige Förderung für den Umbau zu Künstlertheatern, beenden wir damit den Strukturstreit zwischen freier Szene und Stadttheater und nehmen von beiden Seiten das Beste: den Innovationsmut und die Hartnäckigkeit in der Verfolgung der eigenen Ideen von der freien Szene und die strukturelle Absicherung der Produktionsverhältnisse und das Gedächtnis des Ensembles vom Stadttheater, das für den Zeitraum seiner künstlerischen Leitung befreit ist von weiteren bürokratischen Bewährungsproben.

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27.2.2014

Tobi Müller: Bloß keinen Fisch essen

Wir sind alle total offen für einander, sitzen im selben Boot und beißen uns auf keinen Fall weg. Wir arbeiten doch alle am selben ästhetischen Projekt, wird einem vermittelt. Das Projekt heißt: Überleben.

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25.2.2014

Tim Schomacker: Experten des Mehrwerts

Kreatives Prekariat – Eine Tagung in Loccum widmete sich dem Verhältnis von Kulturpolitik und Künstlerexistenz

Interessanterweise wurde ausgerechnet, als es um Koalitionen der freien Szene und ihre Forderungen ging, von nötigen Qualitätsdebatten gesprochen – was im Verlauf der Tagung bis dahin keine Rolle gespielt hatte. Diese sind gewiss nötig. Aber jeweils auf beiden Seiten. Dies- und jenseits der akademischen Ausbildungen, dies- und jenseits von institutioneller Förderung.

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9.2.2014

Sybille Berg: Der Geiz hinter der Goldkante

Eine Utopie im Theater wäre etwas, das mit transparenten, fairen Löhnen zu tun hätte, mit Leitungskollektiven, gutbezahlten Mitarbeitern. Anstelle von verkrusteten Kunstdarstellungserzeugungsmaschinen und dem ständigen Abspielen des Klassikerkanons. 

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8.1.2014

der kulturpolitische reporter: Am Anfang steht das Wort – und das Wort ist falsch!

Stadttheater, Opernhäuser und Bibliotheken in Deutschland erhalten keine “Subventionen”. Die permanente Behauptung des Gegenteils in den Medien der Republik zeigt nur, wie wenig Journalismus oft im Feuilleton steckt.

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19.12.2013

Annemie Vanackere: „Berlin ist tough. Ich auch“

Auf der einen Seite werden Intendanten an große Häuser berufen, ohne dass der Auswahlprozess transparent wäre. Wohingegen es für jeden Fördertopf der Freien Szene eine Jury gibt, der man sein Vorhaben ganz konkret erklären muss. Geht es um 10 Millionen, fragt niemand nach, für 10 000 Euro wird ein enormer Aufwand betrieben.

Interview von Patrick Wildermann

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15.12.2013

Georg Seeßlen: Schafft die Kunst ab!

Die Kunst verliert ihren eigentlichen Adressaten, den nach Freiheit, Schönheit und Fantasie verlangenden Menschen, eine Gesellschaft, die sich traut, ästhetische Experimente zu treiben. Sie verliert genau die Leute, die sie weder haben noch konsumieren, sondern verstehen wollen. Wie man Kunst eben so „verstehen“ kann.

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27.11.2013

Thomas Oberender: Die alten Schemata greifen nicht mehr

Die Künstler und Projektarbeiter stehen am entsicherten Ende der Verwertungskette. Ihr Lebensstandard sinkt. Das gilt, in abgemilderter Form, auch für die Mitarbeiter in den traditionellen Kultureinrichtungen der Städte und Länder. Und die Institutionen neuen Typs, sowohl die Häuser wie auch die Fonds und Stiftungen, haben kaum Geld, das sie an Künstler und Kuratoren zum Produzieren geben können. Wir müssen also unsere Institutionen schützen, das ist das Wichtigste. Und wir müssen sie in einigen Bereichen neu organisieren, bevor sie Burn-out-Laboren gleichen.

Interview von Iljoma Mangold

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21.11.2013

Ein stiller Putsch – Der Kampf der freien Künstler

Interview mit Dan Thy Nguyen, freier Theaterschaffender, Schriftsteller und Sänger in Hamburg.

Die Situation der Künstler in Hamburg ist prekär. Armut, extrem hohe Mietkosten, eine defizitäre kulturelle Infrastruktur der sogenannten “Freien Szene” und vor allem: fehlende Solidarität der Künstler untereinander. 

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4.11.2013

Tanja Krone, Sandra Man: Freie Szene Berlin: Eine Gemeinschaft ohne Wir

Wir sind ein unordentliches Wir. Die Freie Szene ist eine vielfältige Substanz. Und das ist bestimmt kein unglücklicher Begriff. Wir können uns trauen, »Freie Szene« nicht länger und ausschließlich als Inbegriff derer zu sehen, die kein Geld haben und welches brauchen und für die man standortrelevante Argumente bemühen muss. Es geht um etwas ganz anderes: Freien Existenzen eine Szene schaffen.

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30.10.2013

Alexander Karschnia: Für ein freies und d.h. freies Theater

Worum es geht ist, dass das Stadttheater aufhören muss, sich als ‚das‘ Theater zu verstehen und stattdessen eine Perspektive zulässt, die viele verschiedene Theaterformen, Produktions- und Arbeitsweisen einschließt. Spielerinnen und Spieler müssen die Möglichkeit haben, sich temporär von Gruppen engagieren zu lassen oder noch besser: selbst welche zu gründen. 

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15.08.2013

Astrid Kaminski: Die Graswurzelbewegung

Förderpolitisch, das heißt: in Zahlen, pflegt Deutschland immer noch eine Ballett-Monokultur. In der Tanzszene gehört Selbstausbeutung nach wie vor zur déformation professionelle. Damit wird der zeitgenössische Tanz klein gehalten. „Reines Produzieren“, fasst die HAU-Leiterin Annemie Vanackere zweifelnd zusammen, „ist am Ende vielleicht nicht produktiv“. Wir warten also auf das Grundeinkommen für Tänzer und alle weiteren Schritte, mit denen die Szene ihre Ästhetik auf Politisches ausweitet.

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28.5.2013

Heiner Goebbels: Stuttgarter Rede zur Zukunft der Kultur

Ein ‚freies Haus‘ heißt: ohne feste Vorgaben von Effektivität, Auslastung, Repertoire – mit kleiner Stammbesetzung aus Technik, Verwaltung und Leitung – denn je mehr definiert und geregelt ist, desto untauglicher ist es als Produktionsstätte für die Erfindung dessen, was wir noch nicht kennen. Also ohne festes Orchester, ohne Chor, ohne Schauspiel- oder Tanzensemble – aber ausreichend mit Mitteln dafür ausgestattet, sich von Projekt zu Projekt neu zu definieren und zu erfinden – und zu erarbeiten, was gut für die Kunst ist.

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20.1.2012

Haben und Brauchen: Manifest

Das hier vorliegende Manifest wurde von mehr als 40 Personen in gemeinsamer Arbeit geschrieben. Dieses gemeinschaftliche Schreiben ist ein Experiment und der Versuch, die vielfältigen Stimmen zur Situationen der zeitgenössischen Berliner Kunstszene zu vermitteln und zur Diskussion zu stellen.

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21.11.2011

Veit Sprenger: Freies Theater abschaffen!

Die Bezeichnung Freies Theater entspricht nicht mehr der künstlerischen und politischen Realität. Die Bezeichnung Freies Theater ist reaktionär. Sie ist affirmativ gegenüber allen überholten und irreführenden Implikationen von Kanonisierung, Institutionalisierung, Professionalität und Karrieregefügigkeit. Sie befördert den konservativen Diskurs jener kulturellen Kräfte, die von der künstlerischen Praxis längst überholt worden sind und sich gerne noch ein bisschen in ihren Ämtern suhlen wollen. 

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13.9.2011

Alexander Karschnia: Kahlschlag am Theater: Die Kulturkonterrevolution ist auf dem Vormarsch 

Dabei könnten gerade wir vielleicht ein neues Modell entwickeln, das die Gegensätze von Freiberuflichkeit und Festanstellung überwinden hilft zugunsten einer neuartigen, ebenso kreativen wie kooperativen Struktur. Die Theater waren schon immer hervorragende Versammlungsorte: BESETZT EIN THEATER IN JEDER STADT, rufen uns deshalb die italienischen Kulturarbeiterinnen und –arbeiter zu. Vielleicht beginnen wir – mit der Schaubühne… (Bringt Tomaten!)

 

 

 

 

 

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